Unsere Geschichte

Hundert Jahre, viele Brücken

One Hundred Years, Many Bridges

Von der Gründung in Hamburg über die erzwungene Auflösung 1937 bis zum zweifachen Neubeginn nach 1949 und 1990: Die Geschichte von Rotary in Deutschland ist eine Geschichte von Freundschaft, Verantwortung und dem Mut, Brücken zu bauen.

I

Die Gründerjahre

1927 bis 1933
  1. 7. Oktober 1927In Hamburg gründen 33 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens den ersten deutschen Rotary Club. Präsident wird Dr. Wilhelm Cuno, Generaldirektor der Hapag und früherer Reichskanzler.
  2. 8. Oktober 1927Charter des RC Hamburg als Club Nr. 2676. Pate ist der Rotary Club San Francisco.
  3. Dezember 1927Frankfurt am Main folgt als zweiter deutscher Club.
  4. 1928Köln, München, Stuttgart und Dresden. Köln ist der erste Club, den ein deutscher Club gründet; Paul Harris besucht ihn im Juni 1928. In München gehören Thomas Mann, Bruno Frank und Hans Knappertsbusch zu den Gründern.
  5. 1929Berlin, Leipzig, Nürnberg, Chemnitz und Plauen. Die deutschen und österreichischen Clubs bilden den gemeinsamen Distrikt 73; erster Governor wird Wilhelm Cuno.
  6. 31. Januar 1931Deutsche und französische Rotarier gründen den „Kleinen Ausschuss“, den ersten Länderausschuss in der Geschichte von Rotary.
  7. 18. April 1931Bei der Charterfeier in Görlitz ruft der Dresdner Präsident Viktor von Klemperer jeden Rotarier auf, Brückenbauer zu werden, von Club zu Club und über Landesgrenzen hinweg.
  8. 1931Auf Initiative von Carl von Frenckell entsteht in der Deutschen Bücherei in Leipzig ein Rotary-Archiv.
II

Unter Druck

1933 bis 1945
  1. April 1933Thomas Mann wird aus dem RC München ausgeschlossen. Jüdische Mitglieder müssen die Clubs verlassen; viele werden entrechtet und verfolgt.
  2. Juni 1937Auf der Convention in Nizza treffen sich 400 deutsche und französische Rotarier zu einem gemeinsamen Festessen.
  3. 15. Oktober 1937Unter dem Druck des NS-Regimes lösen sich die deutschen Clubs selbst auf, einem Verbot zuvorkommend. 43 Clubs mit 1.082 Mitgliedern hören auf zu bestehen.
  4. 1937 bis 1945In privaten Freundeskreisen treffen sich ehemalige Rotarier weiter, in Stuttgart etwa als „Club der Freunde von 1927“.
III

Neubeginn

1949 bis 1989
  1. 27. April 1949Frankfurt am Main wird unter seiner alten Charternummer als erster deutscher Club nach dem Krieg wiedergegründet.
  2. 1949Stuttgart erhält seine erneuerte Charter in Anwesenheit von RI-Präsident Percy Hodgson; Hannover folgt am 31. Mai.
  3. 1952In Heidelberg wird der Länderausschuss Deutschland-Frankreich als Nachfolger des „Kleinen Ausschusses“ gegründet. Er tagt bis heute jedes Jahr.
  4. 1960Der Rotary Jugenddienst Deutschland beginnt mit dem Schüleraustausch.
  5. 1962Friedrich von Wilpert legt eine erste Geschichte von Rotary in Deutschland vor. Sie darf erst 1981 erscheinen.
  6. 1968Die ersten Rotaract Clubs entstehen in Deutschland.
  7. Juni 1987Erstmals findet eine Rotary World Convention in Deutschland statt, im Münchner Olympiazentrum.
  8. 1989Frauen können Rotary Clubs beitreten. In Westdeutschland gibt es 543 Clubs mit 24.787 Mitgliedern.
IV

Wiedervereint

1990 bis heute
  1. 3. November 1990Leipzig feiert als erster Club in den neuen Bundesländern seine Charter. Westdeutsche Clubs helfen beim Neubeginn im Osten.
  2. 2015Rund 60 Rotarierinnen und Rotarier beginnen, die Geschichte von Rotary in der NS-Zeit systematisch zu erforschen.
  3. Juni 2019Die Rotary International Convention kommt nach Hamburg, mit Rotary-Mitgliedern aus 170 Ländern.
  4. 1. Juli 2020Holger Knaack wird erster deutscher Präsident von Rotary International. In seinem Amtsjahr wird der Umweltschutz ein Schwerpunkt von Rotary.
  5. 2021Nach der Flut im Ahrtal bringen rund 100 Clubs etwa 2,5 Millionen Euro für den Wiederaufbau zusammen.
  6. 26. Februar 2022Zwei Tage nach Kriegsbeginn startet die Ukraine-Hilfe „Krieg in Europa: Rotary hilft“.
  7. 20261.161 Clubs mit 58.764 Mitgliedern (Stand März 2026). Am 7. Oktober beginnt das Jubiläumsjahr.
  8. 7. Oktober 2027100 Jahre Rotary in Deutschland.

Clubs der ersten Stunde

Von Hamburg bis Offenburg

Alle Clubs, die bis zur Auflösung 1937 entstanden. Gründungs- und Charterdatum können voneinander abweichen; genannt ist hier das Gründungsjahr.

1927Hamburg, Frankfurt am Main
1928Köln, München, Stuttgart, Dresden
1929Berlin, Nürnberg, Chemnitz, Plauen, Leipzig
1930Baden-Baden, Aachen, Magdeburg, Düsseldorf, Mannheim, Breslau, Halle, Saarbrücken, Görlitz
1931Heidelberg, Braunschweig, Wilhelmshaven, Karlsruhe, Danzig, Pforzheim, Darmstadt, Wiesbaden, Heilbronn, Liegnitz, Bremen
1932Mainz, Remscheid, Hannover, Kiel, Zwickau-Glauchau
1933Erfurt, Stettin, Freiburg, Garmisch-Partenkirchen, Wuppertal
1934Friedrichshafen-Lindau
1935Bielefeld
1937Krefeld, Schweinfurt, Offenburg

Breslau (Wrocław), Liegnitz (Legnica), Stettin (Szczecin) und Danzig (Gdańsk) liegen heute in Polen.

Erinnern und verantworten

Die dunklen Jahre ehrlich erzählen

Telling the dark years honestly

Nach 1933 wurden Rotarier aus politischen und rassistischen Gründen aus ihren Clubs gedrängt, entrechtet und verfolgt. Widerstand der Clubs gab es kaum. Die 1937 von der Gestapo beschlagnahmten Akten gelangten über Moskau in die DDR und sind erst seit der Wiedervereinigung zugänglich.

Seit 2015 erforscht eine Gruppe von Rotarierinnen und Rotariern diese Zeit. Ihre Datenbank umfasst rund 2.800 Rotarier und 56 Clubs, dazu ein digitales Denkmal für die Verfolgten. Auf der Convention 2019 in Hamburg stellten sie ihre Ergebnisse vor, verbunden mit dem Ausdruck tiefen Bedauerns.

Zum digitalen Denkmal: memorial-rotary.de

Quellen: Forschungsgruppe Rotary-Geschichte (memorial-rotary.de); Rotary Magazin; rotary.de; Rotary International; Manfred Wedemeyer, „Den Menschen verpflichtet: 75 Jahre Rotary in Deutschland“ (2002); Andreas Bednarek, „Der Rotary Club Görlitz und seine Geschichte“ (2012).